Sonntag, 13. Mai 2012

Blogspotting #7 Böses SocialMedia


Anscheinend ist gerade wieder so ein Hauch der Auflehnung in der Bloggerszene zu spüren. Nicht nur, dass dm angeprangert wurde, die begehrte Boxenaktion kurzfristig auf Facebook lanciert zu haben, ohne die Top-Ten-Bloggerinnen bevorzugt zu informieren, nein, jetzt bekommen auch noch die bösen Firmen von den Gurus ein paar auf die Griffel, weil sie tatsächlich das Instrument des SocialMedia Marketings nutzen. Und sowieso, wenn es auf einmal alle haben, verfalle ich in kindische Schmollerei und will auch nicht mehr, so, wie bei NYX z.B. die Tage. Oder der Sturm im Wasserglas, als die Cosmoredakteurin damals in einem Nebenabsatz geschrieben hat, wie es in ihren Augen um die deutsche Beautyboggerei bestellt ist. Was für ein Empörungstsunami schwappte durch die Beautyblogosphäre.

Liebe Beautybloggerinnen, träumt euch weiter eure puderrosa Cupcakewelt zusammen, in der ihr gleichberechtigt mit Produktentwicklern und Marketingstrategen gemütlich über die neuesten Trends der Kosmetikwelt plaudert und ihr zwar opulent probenbemustert aber dennoch völlig unabhängig fulltime eurem Sammelwahn im Eskapismusrausch frönen könnt. Beautybloggerinnen sind nicht die hofierten Diven, als die sie sich selber gerne sehen, sondern nur eines von vielen Werkzeugen in ausgeklügelten Vermarktungsstrategien. In diesem Meer sind die BB noch nicht einmal kleine Fische, sondern nur der Beifang. Kleine Packerls mit ein paar Produkten sind doch Pupskram für Kosmetikunternehmen, wen es interessiert, der kann sich ja mal informieren, was so eine Kampagne zur Lancierung eines neuen Produktes kostet. Oder mit welchen Events wirkliche Entscheidungsträger in der Branche umgarnt werden. Für einen gratis Lippenstift und Bubbletea stehen die morgens nicht auf. Das ist Marktwirtschaft, es geht schlicht um Geld und wir alle sind mittendrin statt nur dabei.
Deswegen ist dieEchauffiertheit über gesponsorte Bloggerinnen extrem kurzsichtig. Dass Blogs, die sich mit exzessivem Konsum Lifestyle beschäftigen, immer mehr kommerzialisiert werden würden, ist doch schon seit längerem abzusehen.

Oft wird gefragt, ob ein/e Blogger/in, der/die von einer Firma Produkte zu gesendet bekommt, überhaupt noch "glaubwürdig" ist. Dabei wird übersehen: es geht ja auch gar nicht singulär darum, dass die besponsorten Produkte durchweg positiv bewertet werden müssen, allein, dass der Name genannt wird, darüber geredet wird, eine Bloggerin von der anderen abschreibt, Produkte gehyped werden (essence LE-Artikel bei ebay für 10 Euro und so Scherze). Wenn das ganze ohne Aufwand durch die Firma selber passiert, umso besser, wieder Etat eingespart. Das nennt sich word-of-mouth-Marketing oder auch Empfehlungsmarketing und ist für jeden, der sich ein bisschen mit der Materie beschäftigt nichts völlig Neues und schon gar nicht ausschließlich auf Kosmetik und Klamotten beschränkt. Deswegen halte ich die Illusion vom werbefreien Web für nicht realisierbar.
Das Hobby zum Beruf gemacht sprich Geld verdienen mit dem, was man gerne mag, ist nichts verwerfliches, ja im Grunde genommen sogar Grundvorraussetzung für ein befriedigendes Berufsleben. Michaela Engelshowe (ach nein jetzt ja sogar offiziell Koko von Kosmo), nutzt als Vermarktungsportal ausschliesslich SocialMedia, tägliche Twittermeldungen, YouTubevideos, das Portal ihrer GmbH, weiß, wie sie ihr Zielpublikum bedienen muss.

Man kann auch mit viel Arbeit und Liebe Geld verdienen, und sogar ehrlich dabei bleiben. Dann müsste man nicht so aufgeregt hysterisch auf jede Form der Kritik reagieren und in reflexartige Opferhaltung verfallen, sobald mal genauer nachgefragt wird, wer denn jetzt eigentlich genau dieses und jenes Produkt oder Event finanziert hat. DIE können einem das nicht gönnen... Nein. Ich gönne jedem seinen Erfolg, so mit lauteren Mitteln, Fleiß und Mut erreicht. Aber so zu tun, als ob man nur aus reiner Liebe zur Kosmetik völlig altruistisch agiert, dabei ein Bild von netten Mädchen oder der guten Freundin projiziert mit der man beim Cafelatte über Schminke fachsimpelt, und dann ganz empört von sich weist, bei seiner Beurteilung der gesponsorten Produkte beeinflussbar zu sein... ich mag dumm sein, aber blöd bin ich nicht.
Unter 70% aller Blogpots ganz klein und verschämt "wurde mir zur Verfügung gestellt". Einerseits einen erzählen, dass man pathologisch empfindliche Haut hat und nur das HighEndProdukt XY benutzen kann aber dann auf der Seite eines Antiage-Produktes rumhuren. Keine Fragen mehr, nur noch Antworten.
Und eigentlich nur auf Highend-Kram stehen und das auch konsequent durchscheinen lassen, aber man will es sich ja nicht mit seinem jugendlichen Gefolge verscherzen, da lobt man hier und da auch mal ein schnödes Drogerieprodukt, auch wenn man beim Gedanken daran schon Pocken bekommen.
Oder in einem Post mal eben in einer Materialschlacht Schminkgedöhns im Wert eines Monatseinkaufs einer deutschen Medianfamilie runternudeln. Wurde ja zugeschickt, muss man drüber schreiben. Bissi Pressetext, bissi Swatch, kurz die eigene Meinung hinrotzen, bei Nichtgefallen möglichst diplomatisch (meine Haut/ Nägel/ Wimpern/ Haare haben da jetzt nicht so gut drauf reagiert, aber das kann bei jeder anders sein) fertig ist die Laube. Hobby. Klar, wenn man seinen Marktwert kennt, lässt man sich nicht mehr mit einem schnöden Nagellack kaufen, der unaufgefordert zugeschickt wurde. Da darf es schon etwas mehr sein.

Denn gerade die Ehrlichkeit (Authentizität ist schon so ein überstrapaziertes Wort), die bei den "Bloggermädchen" von den Rezipienten vorrausgesetzt wird, ist ein elementarer Baustein bei diesem ganzen Empfehlungsvermaktungsstategien. Es gibt in der Verkaufspsychologie den Begriff der Reziprozitätsregel: wenn man davon ausgeht, dass Proben nur zum Ausprobieren gedacht sind oder der Gruß aus der Küche und der Kurze aufs Haus reine Nettigkeiten sind, irrt man gewaltig. Mit dem Geschenk bringt man das Gegenüber in Zugzwang, seine Schuld zu begleichen und wohlwollender zu agieren, als vielleicht geplant. Das passiert noch nicht einmal bewusst, das sind Mechanismen, die einfach ablaufen.

Man ist als Blogger nicht selber der Promi oder die Hauptfigur, sondern nur das Vehikel. Und wenn man ein gutes Vehikel ist, bekommt man das auch entsprechend entlohnt. Und das ist genau das, was auch das anliegen des Artikels der abgetadelten Cosmo-Redakteurin war. Die Beautybloggerinnen wollen zwar ganz Große sein, aber benehmen sich wie 16jährige Schminkmädchenteenager.
Word-of-mouth oder genauer word-of-mouth-Marketing ist ja nichts prinzipiell neues, schon immer haben Menschen sich gegenseitig irgendwas empfohlen oder von etwas abgeraten. Aber wenn jemand nur von neuesten Errungenschaften erzählt, um sich selber darzustellen und den Neuigkeiten nichts hinzuzufügen hat, von dem wird sich irgendwann genervt abgewendet.

Der Niedergang der Szene wird schon so lange prophezeit, wie es diese Szene überhaupt gibt, früher war ja eh immer mehr Lametta. Einen Niedergang oder gar ein drohendes Bloggergate sehe ich selber nicht, nur einen Wandel. Letzten Endes sind auch die Bloggerinnen nur ein Teil der ganzen SocialMedia-Vermarktungsmaschine, die immer mehr professionalisiert wird. Um damit umgehen zu können, braucht man selber eine professionelle Sicht auf die Dinge. Persönliche Nabelschau und Egozentrik sind genau so fehl am Platz wie private Zickenkriege, Intrigen und Fehden untereinander.
Es gibt einige Blogs, die ich immer noch gerne lese, Kleinere mit sympathischen Autorinnen, die nicht nur mechanisch Swatch nach AMU nach NOTD zeigen, sondern eloquent und leichtfüßig ihre eigene Ansicht darstellen. Und vor allem eines tun: sich selbst nicht so wichtig nehmen.


Kommentare:

  1. "Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht. dasmono - bild' dir eine Meinung!" ;)

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  2. Ich kann doch nicht lesen (^.^)

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