Donnerstag, 31. Mai 2012

Alt werden ist nichts für Weicheier

Dieses Jahr ist es soweit, ich werde die magische Grenze zur 40 überschreiten. 40? Das werden doch nur die anderen. Alt? Werden auch nur die anderen. Man selber wird höchstens cooler gelassener und reifer. Falten machen ein Gesicht interessanter und würdevoller. Bei anderen.

Bei einem selber wird der Kampf härter. Wo früher im Bad eine Bürste und ein Topf Niveacreme gereicht  hat, müssen heute schon schwere Geschütze aufgefahren werden. Serum und Creme, abends noch Hülluronsäure für die Regeneration über Nacht, und trotzdem hinterlässt eine schlecht geschlafene Nacht seinen GrandCanyon im Gesicht. Erfreulich, wenn der 15 Jahre jüngere Kollege dann nur mitleidig fragt, ob man krank sei. Die interessanten Frauengesichter mit Falten gibt es doch nur in der Werbung, bei aufwändig lancierten Kampagnen von Dove und Co. Wo einem dann auf alt getrimmte 30jährige als strahlend schöne 50jährige verkauft werden. Sind ja inzwischen auch eine kaufkräftige und konsumorientierte Klientel.

Drei durchgefeierte Nächte brauchten damals einen Tag zur Erholung, jetzt braucht man für eine lange Nacht 3 Tage zur Erholung. Mindestens! Der mentale Härtetest war der Gang zur Kosmetikeule. Eine knapp 20jährige Gazelle mit Rehaugen und Porzellanhaut erzählt, dass es auf die innere Schönheit ankäme. Gepaart mit ihrem leicht mitleidigem Blick und den unbarmherzigen achtunddreissig Spiegeln um mich herum, wuchs mein Aggressionslevel in ungeahnte Höhen. Ob ich es doch schon mal mit einer Microdermabrasion versucht  hätte. Hört sich an wie das letzte Zucken vor Botox und plastischer Chirurgie.

Gazelle bin ich auch, nicht so schlank, aber so behaart. Auch so ein Ding, dass immer mehr Haare an Stellen wachsen, wo früher keine waren. So eine Art Pubertät 2.0 nur ohne Jungs. Aber mit Hormonen. Neulich beim Frauenarzt: "Ja Frau Mono, in IHREM ALTER fängt allmählich die Menopause schon an, da ist es normal, dass der Hormonstatus sich verschiebt." In IHREM ALTER? Ich werf dir gleich dein doofes Spekulum an den Kopf, Bleu de Q!

Und dann bekommt man von einem Schüler einen Platz in der U-Bahn angeboten...

Die Tage mal erschrak ich mich nach dem Einkauf. Für einen Langstreckenflug besorgte ich mir die obligatorischen Flugstrümpfe und weil ich beim eleganten Abgang aus der Dusche vor einiger Zeit eine 9.0 in der Kür hingelegt habe, kam noch eine Duschantirutscheinlage dazu. Stützstrümpfe und Rutscheinlagen. Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es noch Nahtstrümpfe und HighHeels? Wo ist die Zeit geblieben?

Ich will mich massiv aufbretzeln, ohne wie Trannysaurus Rex oder Charlies Tunte Tante auszusehen. Ich habe keine Lust, immer wieder nachjustieren, wo die Grenze zwischen berufsjugendlicher Witzfigur und agiler ProAgerin ist. Von hinten Lyceum von vorne Museum. Man wird als Frau zur Lachnummer deklariert, Madonna macht es uns vor. Gut erhalten sein als einziges Lob, als ob Frau sonst nichts geschafft hätte. Uniabschluss, Karriere, persönliche Weiterentwicklung, scheiß drauf, geh lieber zum Botoxen, mit solchen Falten kannst du doch nicht rumlaufen. Und ohnehin muss frau sich ja entscheiden, ob sie Kuh (alias dicke Matrone) oder Ziege (alias niggelige Fahrradspeiche) werden will. Pest und Cholera.

Prosecco! Aus der Büchse! In Rosa! Prost!




Kommentare:

  1. Du bist nicht alleine in den Weiten der vor allem von 20-30jährigen bestimmten Welt der Beautyaffinen. Ich werde dieses Jahr im Sommer auch 40 und kann's gar nicht glauben. ;) Es war doch wohl erst letztens, dass man mich optisch für 26 gehalten hat...Und nun erkenne ich mich in deinem Artikel in vielen Belangen wieder. Diesen Balanceakt zwischen "Will ich tragen" und "kann ich das überhaupt noch?", finde ich auch schwierig, und ich merke für mich, dass ich viele Dinge schon im Vorfeld gedanklich aussortiere, weil's mit Ende 30 anfängt nicht mehr gut auszusehen: Zu dunkle Lippenstife, zu kräftige Farben, generell alles was zu viel/zu eng/zu grell/zu dunkel/zu auffallend wirken könnte. Schimmer und Glitzer im Gesicht. Polyesterstoffe. Kleidung/Schuhe/Taschen, denen man ansieht, dass sie nicht zu teuer waren. Geht alles kaum noch oder nur noch ganz dezent unauffällig.

    Abgeplatzer Lack, wirre Haare oder verschmiertes Make-up, was einen mit 25 noch allenfalls als leicht verpeilt, zumindest so oder so aber temporär verzeihbar, hätte erscheinen lassen, erinnern heute im schlimmsten Fall an die abgehalfterte Barfrau ausm Klischee.

    Mag tendenziell überzeichnet sein, aber die Richtung stimmt. Im Sinne dieses Beitrags, freue ich mich über deinen Blog als einen von einer Frau über 30 geschrieben ganz besonders. Und natürlich wegen all der ironischen Beiträge über die Auswüchse in der Beautywelt. Irgendwie lohnt sich Älterwerden also doch. ;)

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  2. Liebe Mono,

    die Uschi wird am Wochenende 25... Ein menschliches viertel Jahrhundert-Wrack. Glaube nicht, dass Hyaloron-Serum und Anti-Cellulitis-Cream nicht schon in meinen Badezimmerschränkchen stehen.

    Man 40-jährige macht mir was vor, wenns um Schönheit, Straffheit und Stil geht.

    Du führst als knapp 40-jährigen einen Blog. Ich bin verblüfft. Meine Mutter, nur 10 Jahre älter, kann als höchste vorstellbare technische Meisterleisung irrerseits den DVD-Recorder bedienen, um "Sturm der Liebe" und "Rote Rosen" auf keinen Fall zu verpassen.

    In diesem Sinne: fit geblieben. Eine flotte, spritzige Art, sich selbst nicht zu ernst nehmen. Und schon ist man so jung, wie man sich fühlt. Und dass auch noch mit Lachfalten, die noch sympatischer machen.

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  3. @Pearl
    Manchmal muss man einfach wie ein Klageweib zetern und motzen, das reinigt die Luft.
    Natürlich habe ich in manchen Punkten übertrieben, aber mich ärgert oft das Bild, das in den eingängigen Medien gezeichnet wird, wenn es wohlwollend ist, ist Frau um die 40 eine gelassene, taffe Lady, die zum Yoga geht, die Wohnung nach SchengFui einrichtet und mit dem Älterwerden so gar keine Probleme hat. Schöne Vorstellung. Aber auch nur wieder ein Mittel, um Druck auszuüben. Du hast Zweifel? Du bist unsicher? Dann biste du mal wieder nicht gut genug. Aber zum Glück hat die schöne bunte Konsumwelt auch hier wieder allerlei Krücken in Petto.
    Ich renne jetzt auch nicht 24/7 klagend und greinend durch die Gegend und schiebe Frust, weil ich Falten habe und graue Haare. Neulich habe ich mal den mutigen Versuch gemacht, die Farbe so wachsen zu lassen wie sie ist. Sogar mein Gspusi, der sonst alles toll findet, was ich mache, bestätigte auf Nachfrage, dass das älter machen würde.
    Ich freu mich auch daran, dass mich manche Sachen so gar nicht mehr jucken, die einem mit 20 noch den Schlaf geraubt hätten. Mein Job macht mir Spaß und ich kann alle Rechnungen bezahlen, und bei Douglas werde ich nicht mehr angeguckt, als ob ich nur zum Klauen gekommen wäre (^_^)

    @Uschi
    In 10 Jahren werde ich das auch so machen: ich lass mir einen pfiffigen Kurzhaarschnitt verpassen (vielleicht auch einen fetzigen) und guck nur noch Homeshopping und RosenImSturm. Und trage praktische Schuhe.

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  4. Puh.... ich bin zwar noch keine 40, aber die Gedanken kommen mir unheimlich bekannt vor. Mit kurz vor Mitte 30 überlegt man sich auch, ob das, was man mit Ende 20 getragen hat, noch geht. Und man steht auch schon ab und zu vor dem Spiegel und fragt sich, woher die blöde Falte da kommt und hofft, dass sie nach der Dusche verschwunden ist.
    Wenn ich meinen Lieblingsmann hingegen sehe: Der steht morgens auf, schaut in den Spiegel und sagt: Man, seh ich heute gut aus!
    Schade, dass ich das nicht kann. Aber ich glaube da sind wir Frauen im allgemeinen anders gestrickt.
    Das du schon 40 wirst, hätte ich nie gedacht, denn wie Uschi schon sagt: Meine Mama ist 10 Jahre älter und weiß nicht mal, dass es Blogs überhaupt gibt. Und Deine Art zu schreiben ist einfach witzig und frisch und läßt darauf schließen, dass du jung geblieben bist. Im diesen Sinne: Prost!

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  5. Hmm, ich gehe gerade in mich und meine Anfang30-Lenze (alles bis 35 ist Anfang 30, 35 ist Mitte und danach kommt Ende 30) und gestehe, dass ich mir über viele Dinge, die du ansprichst, bereits Gedanken machte (Nächte durchmachen? Puuh, muss das sein?) und manche gar nicht kenne und mir auch schlichtweg keinerlei Kopf deswegen mache.

    Der einzige Mensch, mit dem ich bis dato über Falten und das Älterwerden sprach, war ein ein guter, aber jüngerer Freund.

    Und die Klamotten, die ich vor 2, 3 Jahren gut fand, die trage ich heute noch, weil sie passen und mir gefallen. Und es ist keine "Hello Kitty" abegebildet, das muss ich dazusagen.

    Aber all das mag daran liegen, dass ich eh eine "Anti-Frau" für einen Großteil der Gesellschaft bin - ich bin dick. Vollschlank. Nenne es wie du willst.
    Da ist man eh zum großen Teil aus manchen Diskussionen raus, hat andere Sorgen.
    Wenn sich Freundinnen über die letzte Mode-Kollektion von XY unterhielten, konnte ich nicht mitreden, da ich es nicht tragen kann.
    Und vielleicht denke ich deswegen auch entspannter über das Altern nach, weil ich mich eh nie unter Druck setzte um gesellschaftl. Anforderungen (1. und wichtigstes Gebot; Du sollst schlank sein.) zu genügen.
    Ich genügte nie. Bin aber dennoch nicht vergrämt oder dergleichen. ;)
    Und ich wollte damit auch nicht ausdrücken, dass dicke Frauen ungepflegte Monster sind, nein, auf keinen Fall. Aber sie fallen durch's Raster, wie "Frau zu sein hat".

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  6. P.S.: Kompressionsstrümpfe gibt es mittlerweile in irrsinnig vielen modernen Farben, weit weg von Ommas beigen Hardcore-Dingern.
    Siehe hier:
    http://www.medi.de/patient/produkte/venentherapie/kompressionsstruempfe/medivenr-farbkonzept.html

    Und sie sind angenehm anzuziehen und zu tragen.
    "Dank" einer Thrombose bekam ich welche und finde sie nach wie vor klasse! ;)
    (Dieser Post ist nicht gekauft, sondern am eigenen Leib erfahren!)

    P.P.S.: Man möge mir die vielen Male "eh" im ersten Kommentar nachsehen - fiel mir beim Tippen gar nicht auf.

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  7. Danke für eure Kommentare!

    @Kerstin
    Ich habe gestern noch was schönes gelesen:
    "Don't mind what others think- They don't often think"

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  8. @ Kerstin

    Jaaaaaa, die sind toll. Die Uschi trägt beim Fliegen pinke Stützstrümpfe. Und dass mit 25!!!

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  9. Als Mittvierzigerin kann ich nur milde lächeln über die Probleme. Meine Güte aus meiner Sicht gehört man mit 40 doch fast noch zu den jungen "Hüppern"! Ja ja die Perspektive. Ich fühle mich jetzt jünger als Anfang 30, wo ich mir tatsächlich furchtbaren körperlichen Verfall eingebildet habe und mir mächtig alt vorkam. Damals war ich ausgepowert von Kinder- und Karrierestress, jetzt sehe ich wirklich gelassen zurück und genieße das Leben viel mehr. Und meine Falten sehen andere weniger dramatisch als ich selbst. Auch finde ich es immer wieder faszinierend, was man mit ausreichend Schlaf bewirken kann. Das Ergebnis ist viel phänomenaler als in jungen Jahren. Der reinste Glattbügler und natürliche Rougelieferant.

    LG Anke

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  10. Es ist doch aber wirklich schön im Alter, dass man die Erfahrung gemacht hat, alle Probleme überwinden zu können und seine innere Ruhe finden kann. Verständlich, dass das Älter werden auch Angst bereitet. Ich möchte gerne ein Buch empfehlen, dass sich mit der Thematik anschaulich auseinandersetzt. http://www.leben-im-goldenen-wind.de

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  11. Hallo Alle
    Jedes Alter hat seine Zeit
    Nun werde ich 75 Jahre und kann Euch nur sagen
    "Alt werden ist echt nichts für Weicheier"
    man muss jeden Tag mit sich selber kämpfen
    laufen auch wenns weh tut , raus aus dem Haus mit Leuten reden nur nicht grübeln über alle "Zipperleins"
    Tanzen auch wenn das Knie (ich habe eins)oder Hüftgelenk aus einem Ersatzteillager bestehen
    Nur wer sich bewegt immmer und immer wieder
    schafft es allein sich selber zu helfen
    In dem Sinne Lebt das Leben
    es gibt nur das Eine
    Ahoy

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  12. Danke für diesen schönen Kommentar ♥

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