Montag, 30. April 2012

Reklame #1


Bei jeder Genderdebatte in jedem Jahrzehnt muss man nur in die Werbung gucken, um zu sehen, wie es um das Bild der Geschlechter aktuell in der Gesellschaft wirklich gestellt ist:

Sexobjekte und Produkte, 

die man sich einfach holen kann (so man mit dem passenden käuflich zu erwerbenden Equipment wie Parfum, Kleidung, Auto etc ausstaffiert ist), viel mehr die Frauen als die Männer, zwar gab es einige bemühte Versuche, auch Männer zu Sexobjekten zu "degradieren". Gnihihi, mit meinen coolen Bürotussikolleginnen geile ich ein bisschen den coolen Cocacola-Lieferanten an. Seit wann ist es der richtige Weg zur "Gleichbehandlung", sich auf dasselbe Niveau herabzublassen, Menschen zu Objekten zu degradieren? Das ist die gleiche Pseudoemanzipation, wie sie uns bei SexAndTheCity verkauft wird.

Krank

Frauen scheinen in den Augen der Werbetreibenden irgendwie unter einem Zustand einer diffusen Dauererkrankung zu leiden. Klemmende Verdauung, Haarausfall, schwere Beine, Hitzewallung. Früher diagnostizierte man bei Frauen "Hysterie", wenn sie nicht so wollten, wie die Männer, heute werden sie mit Wechseljahren, Menstruationsbeschwerden, Haarausfall und Geruchsgefahr kleingehalten. Und dass frau sich am Kopf kratzen muss. Ein Drama!

Hausfrauundmutterundtreusorgendeehefrau.

Oberflächlich wird mit einer gewissen Unzulänglichkeit kokettiert "mein Haushalt ist mir ja nicht das allerwichtigste, aber ich will es doch weißer als weiß haben". Nur wenn die Plörren von den Blagen immer sauber gewaschen sind, ist Mutti der ewige Dank sicher. Oder so.
Warum sind sie wieder da, die grenzdebilen Toffiffeeübermütter, denen anscheinend progesteronbedingt das Hirn weggeschimmelt ist. Weil man ja nur mit Toffifee was GEMEINSAM macht (der Blick schweift verzückt in die Ferne) und man nur mit Toffifee ganz groß rauskommt. ICH als Mutter...
Und die Vollzeithausfrau-und-Mutter, die in biederem Strickjäckchen und praktischer Zopffrisur endlich mal ihre Süssschnitte aka Kinder Pinguin genießen will. Als Mutter hat man anscheinend automatisch den seltsamen Geschmack der Kinder adaptiert. Lange kann sie ja eh nicht das Haus verlassen, weil ihr Haustrottel alias ihr Ehemann sich ansonsten mit dem pinken BH selbst erdrosselt. Ehemänner machen in Werbespots eh stets den Eindruck, als ob sie alleine maximal unfallfrei atmen könnten. Haben solche Leute noch Sex oder haben sie ihr Plansoll mit der Erzeugung ihrer altklugen Paulakuhbratzen erfüllt, die ekelhaft Kuchen in sich reinstopfen und niedlich lügen und betrügen dürfen? Bestimmt haben die sich bei Elitepartner kennengelernt, wo nur Akademiker und Singles mit Niveau eine Kopulationszusammenführung zwecks Züchtung einer neuen Herrenrasse erfahren dürfen. Ohne No-Gos... Aber wenn sie bei windeln.de bestellen, haben sie ja wieder mehr Zeit füreinander. 

Klischeetussi und Klischeemacker

Ganz unerträglich sind die "Typisch Mann/Typisch Frau"-Klischees, die genüsslich ausgewalzt werden und in uns Vorstellungen darüber produzieren wollen, wie "richtige" Frauen/Männer zu sein haben. Männer stehen nur auf Fussball und brechen sich beim Staubsaugen die Beine, sind als Väter totale Looser, die mehr Zusatzkind als Partner sind. Männer kaufen zu teure Autos, da muss auch seine Ische den Gürtel vom Spendierhöschen enger schnallen. Und Frauen bekommen angesichts eines Paar Schuhen einen Schreianfall. Und haben die Taschen voll Schnickschack. Dass Werbung sexistisch ist, merkt man in dem Moment, wenn man die typischen dargestellten Menschen gegen jemanden des gegenüberliegenden Geschlechts austauscht. Auch die Werbung bedient sich hier fröhlich in der "humorigen" Überzeichnung. 

Wenn einem dann noch nicht schlecht ist, gibt einem der Hattrick aus Blähmate VeraIntVeens Verdauung, Scheidenpilz und bröckeligen Nägeln der Rest.

Dann gehe ich doch lieber in meinen Lieblingskaramellladen... wenn mein Siri mir sagt, wo ich den finde. 

Kommentare:

  1. Ja so ist es, da ist jede Werbung gleich. Sie kümmert sich zu Hause um die Kinder, isst dabei Nimm2 und Co und er lässt sich dank Axe von 1000Frauen verführen...

    AntwortenLöschen
  2. Ha, in your face, Alda. Das trifft's mal sowas von auf den Punkt. Mein Lieblingsaufreger sind allerdings die hier nicht erwähnten Sagrotanübermütter, die zum Wohle ihrer Brut alles steriler als steril halten müssen, alles Andere wäre doch grob fahrlässig!
    Außerdem hinzufügen möchte ich noch, dass auch die männliche Körperlichkeit ihre Probleme birgt. Männer schwitzen nämlich wie Bolle und haben kaum ein größeres Problem, als den Gestank im Griff zu halten. Außerdem sondert ihre Kopfhaut permanent Wagenladungen an Schuppen ab. Aber sonst, ja, sind sie die großen Macker.

    Wenn man darüber nicht kotzen möchte, sollte man drüber lachen. Denn, mal ehrlich, das gezeigte Weltbild ist doch auch ein großartiges Beispiel für absurde Komik.

    AntwortenLöschen

Erzähl mir, was du darüber denkst!

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.