Sonntag, 1. April 2012

Blogspotting #3 Pathologisches

Sheeples 
Der zentrale Gedanke eines Beautyfashionblogs ist schlicht:
Konsum.
In jeder Form.
Mir kommt es oft so vor, als ob nur noch um des Konsum willens gekauft wird, jede Novität löst einen unwiderstehlichen Impuls aus. Wo immer was neues gezeigt wird, ob bei Facebook, auf Blogs, in Foren: reflexartig scharen sich die Kommentare dazu: "Muss ich haben, brauch ich unbedingt, hol ich mir sofort".
Wie beim Homeshopping, wo die Worte "Geld" und "kaufen" auf der Blacklist stehen (statt dessen sollen sich die Kundinnen dieses einmalige Anbebot sichern, das es so in diesem Jahr nicht mehr geben wird und außerdem ist Terrakotta und die Größe 38 schon begrenzt!) werden diese Begriffe auch in Blogs mühsam verbrämt. Da wird "gehault", "ein Raubzug gemacht", "etwas ergattert" oder hüpft schlicht und unbeabsichtigt "ins Körbchen". Oder "durfte mit".

Dass man für all diesen Kram einfach nur Geld braucht und das gegen Waren tauscht, scheint in der Erklärung zu einfach. Vielleicht, weil man über Geld nicht redet? Deswegen muss man sich auch mal einen Chanel-Nagellack "gönnen", um vor sich selber zu rechtfertigen, 22 Euro für ein Fläschchen gefärbter Tunke rauszuhauen. Weil es unfein ist, darüber zu reden, wo das Geld herkommt? So wie in den DailySoaps, wo alle Leute unglaublich coole Jobs haben (irgendwas mit Medien, Design, Mode oder so oder eine hippe Szenen-Kneipe, vielleicht noch fürs Lokalcolorit einen Gemüsehändler), man sie aber nie wirklich arbeiten sieht. Oder bei meiner Lieblings-Anti-Sendung SexAndTheCity. Vier untergewichtige Frauen, die sich in erster Linie dumm plappernd mit Shopping und dem Warten auf DEN RICHTIGEN™ beschäftigen.

Und dieses Leben soll hier nachgespielt werden, mit simpleren Mitteln. Dieses Streben nach Konsum ist nicht Ursache sondern Symptom. Symptom einer zunehmenden Infantilisierung, befreit von allen Traditionen und Überlieferungen müssen wir ein eigenes Wertesystems erreichten, und weil das so schwierig ist, weigern wir uns einfach erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen, alles ist ein Spiel. Und wie bei einem greinenden Kind, dem alle Bedürfnisse sofort befriedigt werden müssen, feiert hier der Hedonismus fröhliche Urständ.





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