Donnerstag, 22. März 2012

Glossybox oder: es rauscht im Boxenwald



Ja, ich bin ein Katastrophentourist, ich liebe es, wenn am Ende des Monats die Boxen ausgeliefert werden und das Popcornkino auf Facebook wieder losgeht.

Aber schauen wir mal hinter die Kulissen von heulenden Teenies und entrüsteten Twens:
Hinter Glossybox stehen die Samwer-Brüder, in der Branche bekannt durch das Prinzip des Investierens,  Kopierens und dann teuer verkaufen, auch Copycatten (engl. "Trittbrettfahrer") genannt. Samwer investierte in gefühlt alle Erfolgsmodelle des Web 2.0, sei es Klingeltöne, Dating, Video, SocialNetworking, Gutschein- und Rabattsysteme und einiges mehr, insgesamt ist von 25 verschiedenen Exits die Rede (siehe hier). Durch angeblich unseriöses Gebahren gegenüber Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Kunden sind die Samwerbrüder erfolgreich zwar, aber nicht unumstritten. Schon bei Jamba wurde von Verbraucherschützern heftigst kritisiert, dass Abos an Minderjährige verkauft worden sind. Sämtliche "Geschäftsmodelle" der Samwers nutzen die menschliche Schwäche aus, gepaart mit aggressivem Marketing und ausgefeiltem Nutzen von Communitystrukturen.
Die Mitarbeiter von Glossybox rekrutieren sich anscheinend in erster Linie aus ehemaligen Groupon-Mitarbeitern, Groupon wird gerne mal vorgeworfen, die Versprechungen, die hinter den Deals stecken, gar nicht einhalten zu können, häufig liest man davon, dass die Gutscheine entweder gar nicht oder nur unter besonderen Bedingungen eingelöst werden konnten. Auf Rückzahlung warten die Kunden ewig, Supportanfragen werden nur schleppend beantwortet. Ähnliche Probleme scheint es bei der Glossybox bei der Akquirierung der Boxinhalte (hier ein Interview mit einen Branchenkenner) zu haben. Natürlich gibt es immer die Userinnen, die nie zufrieden zu stellen sind, aber bei einigen Inhalten musste ich mir auch verwundert die Augen reiben. Lippentattoos, Restbestände von LimitedEditions aus 2010 und dekorative Kosmetik von U.M.A sind nicht das, was man sich unter Highendmarken oder neuen Nischenprodukten vorstellt. Unter dem Aspekt erklärt sich vielleicht auch, warum die Anzahl an Boxen inzwischen limitiert wurde.

Deswegen denke ich auch, dass die Box, die Douglas anbietet, da deutlich mehr Standfestigkeit am Markt haben wird. Douglas ist einfach der absolute Marktführer in Deutschland in dem Segment, selbst Sephora konnte sich damals nicht gegen die Kette durchsetzen. Douglas hat mehr und bessere Konditionen bei Firmen und Lieferanten, mehr Branchenkenntnis und ist ausserdem nicht zwingend auf die Einnahmen von den Boxen angewiesen.

Die neuesten Gerüchte sind, dass ein US-Millardär sich mit 7% am Geschäftsmodell Box-Abo beteiligen wird. Da erscheint die gerade vorgenommene Preiserhöhung auf 15 Euro doch direkt in einem anderen Licht. Kann es sein, dass GB da noch seine potentiellen Einnahmen und Bilanzen noch ein bisschen aufhübschen will? Davon abgesehen hat GB wohl auch mal eine Auswertung der "Beauty-Profile" vorgenommen (dass die wirklich dazu verwendet werden, den Kundinnen individuelle Päckchen zu packen glaubt wohl nur der, der auch an den Osterhasen glaubt). Dieses Profil soll nur Auskunft darüber ausgeben, wie alt die Kundinnen sind, wieviel sie im Monat für Kosmetik ausgeben, wieviel sie verdienen und wie sie an ihre Infos kommen. Mit diesem Material kann GB dann an die Firmen herantreten um an Proben zu kommen. Durch die Preiserhöhung kann GB alle unattraktiven Kundinnen, die, die weniger als 20 Euro im Monat ausgeben oder die, die falsche Angaben gemacht haben (Verdienst mehr als 75.000 Euro/ Jahr aber nicht willens, die 5 Euro mehr zu zahlen)  herausfiltern. Denn es lohnt sich für die Firmen nur, Proben herauszugeben, wenn die Kundin zumindest potentiell das Produkt auch nachkaufen wird.  Das kennt jeder, der mal den Versuch gemach  hat, einmal im Buisinesslook und einmal im Freizeitdress zu Douglas zu gehen und Proben zu bekommen.
"Ich weiß nicht, ob die 'Blitzkrieg'-E-Mail authentisch ist. Aber sollte das tatsächlich der Ton sein, in dem bei Rocket Internet über Märkte und Menschen gesprochen wird, handelt es sich um eine verabscheuenswürdige Art Geschäfte zu machen. Gute, nachhaltige Dienste werden nicht gebaut, indem man Krieg führt, sondern indem man sich auf Innovation und Vision konzentriert. Ich glaube Respekt und Karma sind hier die Schlüsselworte."

Quelle

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